Sie sind hier: Presseberichte Presse 2005 April 2005  
 PRESSE 2005
Januar 2005
Februar 2005
März 2005
April 2005
Mai 2005
Juni 2005
Juli 2005
August 2005
September 2005
Oktober 2005
November 2005
Dezember 2005
 PRESSEBERICHTE
Presse 2008
Presse 2007
Presse 2006
Presse 2005
Presse 2004
Presse 2003

EK VOM 08.04.2005
 

Frei von alten Sehgewohnheiten
„Photographie des Traumes" von Philipp Drieger / Kein Kunstanspruch

Eichstätt (kif) Es verbinde sich mit den Arbeiten von Philipp Drieger kein Kunstanspruch, so Cendra Polsner in ihrer Einführung zu Driegers Ausstellung „Photographie des Traumes" in der Sparkassengalerie am vergangenen Dienstagabend, aber es handle sich bei seinen Digitalaufnahmen um mehr als um reine Illustrationen. Der junge Eichstätter, der augenblicklich im dritten Semester Philosophie an der Katholischen Universität studiert, glänzt derzeit und noch bis zum 28. April mit neuen Arbeiten in der Sparkassengalerie. Und er verwirrt einmal mehr sein Publikum durch Wortkunst, Kunstworte und Cross-over-Neologismen, die einen in „archaische fluktuation" ebenso zu versetzen vermögen wie sie einladen, ein „crystal ship" zu besteigen, um damit zum „temple of loom" oder in die „letzte Idylle" zu gelangen. 25 digitale Fotografien, die Drieger am PC verfremdet und mit anderen grafischen Elementen abmischt, berichten von den Traumvorstellungen des Philosophiestudenten. Sie knüpfen als Bild an Gewusstes und Gesehenes, an Bekanntes und meist auch im goldenen Schnitt komponiertes aus dem abendländischen Bilderschatz von Jahrtausenden an und sie spielen damit mal ein unbewusstes, mal ein bewusstes Spiel. Der Betrachter darf sich frei von alten Sehgewohnheiten auf diese Bilder stürzen und wird dabei immer wieder mit der Tatsache konfrontiert, dass es beim Sehen wie beim Wissen keine Unschuld in dem Sinne gibt, dass man hinter einmal Gesehenes oder Gewusstes zurück könnte. Es sei denn, die Vergesslichkeit des Alters meint es mehr oder weniger gut mit einem. Insofern trifft der Ausstellungstitel auf alle Bilder Driegers zu. Sie sind Abbildungen von Momentaufnahmen eben seiner Traumvorstellungen, die aus Schnipseln des Realen montiert sind. Ganz gleich ist dabei, ob Drieger die Bilder, die er im Traum-Labor nacharbeitet, selbst gemacht hat, oder ob er sie aus Datenbanken borgt. Heraus kommt am Schluss immer eine ästhetisierte, mehr oder weniger verzahnte Bild- und Grafikmischung, die alleine schon dadurch wie geträumt wirkt, dass sie kalt digitalisiert ist. Es sind kühle Träume, die Drieger in die Sparkassengalerie gehängt hat, und in den wenigsten davon möchte man als Akteur unterwegs sein. Vielleicht ist aber gerade die Reflexion über die „Herzlosigkeit", die Kühle des Mediums Digitalfotografie ein besonderes originales und originelles Merkmal von Driegers Fotoarbeiten. Illustrationen für wenig gewinnende Zukunftsperspektiven, gleich in welchem Bereich des Menschlichen, könnten Driegers Arbeiten allemal sein. Da ist nichts mehr psychedelisch, da ist alles, selbst das an und für sich glühend wirkende Sonnengelb eine klirrende coolness. So schön frösteln hat uns schon lange keine Ausstellung mehr in der Sparkassengalerie gemacht. Im Rahmen der Vernissage wurde es aber nicht zuletzt wegen des melodischen und rhythmisch verschärften Sounds von The Lymbique schnell ein paar Grad wärmer.


EK vom 08.04.2005 | EK vom 09.04.2005

Druckbare Version