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EK VOM 05.11.2005
 

Eine verschwundene Kuriosität: Hölzerne Brücke mit Dach
Zufahrt zur Brunnmühle / Nach einem Einbruch riss das Hochwasser 1926 die Konstruktion mit sich

Brunnmühle (je) Bis etwa 1926 hatte die Brunnmühle (bei Inching, Gemeinde Walting) eine Kuriosität und Rarität zu bieten, die es im gesamten ehemaligen Eichstätter Fürstentum nicht mehr gab. Die Altmühl wurde dort von einer pfeilerlosen Holzbrücke mit Dach überspannt. Peter Faut (70), der in der Brunnmühle wohnt, und sich mit der Heimatgeschichte befasst, berichtete, dass in das Holz die Jahreszahl 1789 eingeschnitzt war. Er geht aber davon aus, dass in diesem Jäh entweder eine Reparatur vorgenommen, oder ein Nachfolgebau einer alten Brücke fertig gestellt worden war. Das auch deshalb, weil im Jahr zuvor Berichte von einem schlimmen Hochwasser überliefert sind. Die Brunnmühle war bis in die Jahre des Ersten Weltkriegs Mehl- und Sägemühle, wurde von zwei Wasseradern angetrieben, und ging erst ein, als Müller Johann Isidor Neumeyer als Soldat gefallen war. Eine 1917 eingebaute Turbine ist noch vorhanden. Über die Holzbrücke kamen vor allem die Hofstettener Bauern mit ihren Fuhrwerken durch ein Seitental vom Berg herab zur Mühle. Die Brücke hatte eine Spannweite von rund 20 Metern und war mehrere Meter breit. Erzählungen gegenüber Peter Faut zufolge wurden bei Gewitter auf der Brücke voll beladene Heuwagen untergestellt. Über solche Brücken wurde ein Dach gespannt, um das Holz vor Nässe und Fäulnis zu schützen. Diese Bauwerke sind im Gebirge häufiger zu sehen. Eine überdachte Holzbrücke gibt am Königssee, berühmt ist die lange Holzbrücke mit Dach in Luzern. Bei der Brunnmühler Brücke wurde 1915 das vermutlich schadhafte Dach heruntergenommen, worauf das Holz morsch wurde. 1926 stürzte das Bauwerk teilweise ein; das Holz wurde bei einem Hochwasser mitgerissen und nach etwa 800 Metern angeschwemmt. Die Auffahrten waren viele Jahre sichtbar und wurden erst später abgetragen. Das Fundament der rechten Flussseite beseitigte das Wasserwirtschaftsamt Ingolstadt erst vor rund 30 Jahren. Die Rampe bedeutete eine Eng-steile und staute das Wasser. Heute ist von dem einst recht ansehnlichen Brückenbauwerk kaum mehr etwas zu sehen. Die Brunnmühle gehörte früher dem Eichstätter Domkapitel und zum Schlossgut Inching. Späterer Besitzer war Theodor Freiherr von Reck, der nach Amerika zog und verschollen ist. Er verkaufte das Schlossgut an Heinrich Ullmann, den Großvater des heutigen Besitzers des Inchinger Schlosses, Robert Böhm. Die Brunnmühle wurde zunächst von Xaver Schöpfel erworben, dann ging sie an Michael Schmidt und ist heute im Besitz von Peter Schöpfel. An den Wiederaufbau der Brücke nach historischem Vorbild ist wohl kaum zu denken. Eine Attraktion für Einheimische und Urlauber wäre sie auf jeden Fall.


November 2005 | EK vom 12.11.2005

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