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EK VOM 28.05.2003
 

„Das Lampenfieber war leicht zu bewältigen“
Johanna Harrer aus Pfalzpaint kam unter die acht Besten beim landesweiten Vorlesewettbewerb

Eichstätt (buk) Bayerns bester Vorleser heißt zwar Roman Bause und kommt aus München,
aber auch die Pfalzpainter Schülerin Johanna Harrer, die das Eichstätter Gabrieli-Gymnasium besucht, kann sich sehen lassen« Sie gehört zu den acht besten bayerischen Vorleserinnen und Vorlesern der sechsten Jahrgangsstufe - und das unter immerhin 160 000 Teilnehmern, die sich seit einem halben Jahr an dem Wettbewerb des Verbands der Bayerischen .Verlage und Buchhandlungen .beteiligten. Ergebnis brachte der Landesentscheid des Vorlesewettbewerbs, der am vergangenen Donnerstag in Murnau stattfand. In zwei Gruppen stellten sich dabei je acht Kandidaten der Hauptschulen und der Gymnasien zur Wahl, die bei ihren Beziksentscheiden Sieger geworden waren. Johanna Harrer vom Gabrieli-Gymnasium vertrat dabei den Bezirk Oberbayern-Nord, zu dessen bester Vorleserin Anfang Mai in Neufahrn bei München unter einem runden Dutzend Konkurrenten gekürt worden war. Die anderen sieben Teilnehmer kamen von Gymnasien in Nürnberg (Bezirk Mittelfranken), Passau (Niederbayern), München (Oberbayern-Süd), Kronach (Oberfranken), Auerbach (Oberpfalz), Günzburg (Schwaben) und Würzburg (Unterfranken). Es traten zwei Jungen und sechs Mädchen an. Johanna war nicht allein nach Murnau gefahren, sie wurde von ihren Eltern und Oma Theresia sowie von ihrer Klassenkameradin Anna Mineif begleitet. Ihre Deutschlehrerin Gudrun Beck, die mit ihr Sprecherziehung betrieben und Leseübungen zur Vorbereitung trainiert hatte, machte sich ebenfalls mit auf den Weg. Und gut vorbereitet war Johanna: Mit ihrer Lesung aus Henry Winterfelds Buch „Caius ist ein Dummkopf' konnte sie die Zuhörer, nach dem Applaus zu urteilen, überzeugen. Ihre Deutschlehrerin Gudrun Beck freute sich besonders über die Leistung, dass Johanna mit den Augen dem Text stets weiter voraus war: „Wenn ein vorzulesender Satz etwa hieß: .Natürlich!. entfuhr es der Mutter, dann stieß Johanna dieses Wort auch bereits im Voraus rasch aus." Außerdem hatte sie schwierige Fremdwörter wie etwa „chauffieren" oder „Union Jack" auszusprechen. Die Jury gab denn auch bekannt, dass es eine sehr knappe Entscheidung war, in der Johannas Münchner Konkurrent letztlich den Sieg errang, der aus Josef Holubs Buch „Der Russländer" gelesen hatte - ein Buch, das er allerdings schon aus dem Unterricht als Klassenlektüre gekannt hatte. Die Jury setzte sich aus sieben Mitgliedern zusammen, darunter zwei Vorjahressieger des Landesentscheids, dazu die beiden Pädagogen Stefan Bues und Sabine Hauser, die Bibliothekarin Martina Stupprich, die Buchhändlerin Margarethe Zollner sowie der Journalist Herbert Hofmann als Oberjuror. Moderiert wurde das ansprechende Programm, das sich über sechs Stunden erstreckte, von dem Kinderbuchautor Bernhard Hagemann, der als Überraschungsgast anwesend war. Sein Buch „Johnny Schweigsam" war auch der Pflichttext, aus dem die Kandidaten in der zweiten Runde vorzulesen hatten, nachdem sie im Kürprogramm ihren selbst gewählten Titel vorgestellt hatten. Vom Austragungsort, dem „Kultur- und Tagungszentrum" in Murnau, zeigte sich Johanna angetan: „Zwar war ich erst mal sehr beeindruckt, als ich den großen Saal betrat, aber das Lampenfieber konnte man angesichts des Rahmenprogramms leicht bewältigen!" Denn dazu gehörte ein Clown, der auftrat, und auch für Stärkung war gesorgt Es gab Kaffee und Kuchen, Häppchen und Getränke. Der Bürgermeister von Murnau richtete feierliche Worte an die Anwesen" den und begrüßte „die bayerischen Lesekoryphäen", zahlreiche Pressevertreter verfolgten die Veranstaltung. Unmittelbar nach ihrer Lesung musste Johanna auch einem Journalisten des Senders „Bayern III" ein Interview geben, in dem sie unter anderem gefragt wurde, wie sie sich auf die Lesung vorbereitet hatte. Von der guten Organisation zeigte sich auch Deutschlehrerin Gudrun Beck beeindruckt: „Der Zeitplan konntet was gelockert werden; dies erleichterte die Anspannung, ständig konzentriert zuhören zu müssen!" Das Land Bayern vertritt Johanna Harrer nun in der Endrunde auf Deutschlandebene, die im Juni in Frankfurt ausgetragen wird, zwar nicht mehr. Aber selten zuvor war eine Eichstätter Gymnasiastin so vorangekommen wie die zwölf Jahre alte Gabrielianerin, die man auch weiterhin oft mit einem Buch in der Hand antreffen wird.


EK vom 22.05.2003 | EK vom 31.05.2003

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