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EK VOM 11.11.2003
 

„Ein Lehrbeispiel, wie man es nicht machen sollte"
Turmhausabriss Thema in Landtagsausschuss


Gungolding (kno) Beim wohl spektakulärsten Denkmalabbruch der vergangenen Jahre im Landkreis Eichstätt ist eine endgültige Klärung nach wie vor in der Schwebe: Das Gungoldinger Turmhaus, das im Februar der Spitzhacke des örtlichen Trachtenvereins „D'Waldbauern" zum Opfer fiel, liegt immer noch in Trümmern. An diesem Zustand hat sich seither nichts geändert. Ein Aushängeschild für den Altmühlort ist der Steinhaufen nun wahrlich nicht: Zumal er direkt an der Hauptradlroute liegt und Tausende Touristen die traurigen Überreste seither passiert haben. Immerhin - am morgigen Mittwoch ist der Abriss Thema im Landtagsausschuss für Hochschule, Forschung und Kultur: Anfang September hatte eine Begehung vor Ort mit den Abgeordneten Dr. Ludwig Spähnle (CSU) und Friedrich Odenbach (SPD), der mittlerweile nicht mehr im Maximilianeum sitzt, stattgefunden. Spähnle, gleichzeitig Vorsitzender des Landesdenkmalrats in Bayern, äußerte auf Anfrage des EICHSTÄTTER KURIER lapidar: „Der ruinenhafte Zustand ist so, wie er ist." Für Denkmalpflege gebe es „sicher gelungenere Beispiele". Die Eingabe kam vom. Jurahausverein, der massiv darauf drängt, „diesen Denkmalfrevel öffentlich und nachhaltig zu behandeln, um Nachahmungstäter abzuschrecken". Grundsätzlich bewertet Spähnle den Vorgang „als Lehrbeispiel, wie man es nicht machen sollte". Ihm sei selten „so etwas Verworrenes und Eigenwilliges untergekommen", nimmt der CSU - Landtagsabgeordnete kein Blatt vor den Mund: „Das ist keine einfache Kiste." Die Kommunikation zwischen dem Eichstätter Landratsamt als Genehmigungsbehörde und dem Landesamt für Denkmalpflege scheint „schwierig" gewesen zu sein. Das weist Regierungsdirektor Leo Mittermüller vom Landratsamt zurück: Das Verhältnis zum Denkmalpflegeamt sei „hervorragend". Freilich könne hier und da Sand ins Getriebe geraten. Das Malheur von Gungolding sei nur deshalb entstanden, weil sich der Trachtenverein nicht an die Auflagen gehalten habe. (Wie mehrfach berichtet, lag nur eine Abrissgenehmigung bis oberhalb der Zwischendecke vor.) Was die „Ahndungskonsequenzen" für den Trachtenverein betreffe, sei für seine Behörde zunächst einmal Zurückhaltung angesagt, so Mittermüller: „Wir warten auf Signale von oben und wollen nicht vorpreschen." Gefahr sei schließlich nicht in Verzug. Was die andere Seite betrifft, hat das Landratsamt schon Nägel mit Köpfen gemacht. Die Genehmigung für einen Neubau ist längst erteilt. „Die Leute könnten sofort loslegen", sagt Mittermüller. Aber da ist ja noch das Landeamt für Denkmalpflege, und das hat inzwischen die Staatsanwaltschaft München informiert, weil es sich bei dem Abbruch um ein Offizialdelikt handle, wie der Leiter der Behörde, Generalkonservator Dr. Egon .Johannes Greipl, betont. Inwieweit die Mühlen der Justizbehörden mahlen, könne er nicht sagen. Auf jeden Fall findet Greipl an diesem Vorgang bedenklich, dass gerade ein Trachtenverein die Hauptrolle spiele: „Es geht nicht an, dass wir irgendwann nur in Lederhosen zwischen Betonkästen herumlaufen." Diese Unwägbarkeiten sind es, die den Trachtenverein bisher am Neubau gehindert haben. Bürgermeister Hans Mayer äußerte gegenüber unserer Zeitung, dass erst klare Verhältnisse herrschen müssen. Das heißt: Die Trachtler wollen zunächst einmal die Höhe des zu erwartenden Bußgeldbescheids abwarten, um dann nachrechnen zu können, ob sie sich den Neubau überhaupt noch leisten können. Mayer denkt, dass in den nächsten Tagen Bewegung in die Sache kommen wird. Am Samstag hat der Trachtenverein seine Jahresversammlung, bis dahin sollten greifbare Ergebnisse vorliegen. Josef Betz, der Vorsitzende des Vereins, will auch Planungssicherheit: „Wir hoffen, dass es bald über die Bühne geht."


EK vom 08.11.2003 | EK vom 13.11.2003

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