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EK VOM 30.03.2004 |
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Milchbauern machen Front gegen Niedrigpreise Rund 100 Landwirte aus dem Landkreis und aus Ingolstadt protestierten gestern in Rapperszell
Rapperszell (aur) Etwa 100 Milchbauern aus dem Landkreis Eichstätt und der Stadt Ingolstadt sind gestern einem Aufruf des Bayerischen Bauernverbands (BBV) gefolgt und haben sich in Rapperszell zu einer Protestkundgebung versammelt. Unter dem Motto „Milchprotest - jetzt reicht's" machten sie Front gegen niedrige Milchpreise und eine aus ihrer Sicht ruinöse Preispolitik der großen deutschen Discounter. Doch die Bauern beließen es diesmal nicht bei Worten: In einer noch nie dagewesenen Aktion folgten viele dem Aufruf der bayerischen Milcherzeugergemeinschaften, drei Tage lang, von Montag bis Mittwoch, keine Milch an die Molkereien zu liefern. Als Kundgebungsort hatte der BBV-Kreisverband den Hof der Familie Hüttinger in Rapperszell (Gemeinde Walting) gewählt: Matthäus Hüttinger ist stellvertretender Kreisobmann des BBV und bewirtschaftet einen 50 Hektar-Hof mit etwa 25 Milchkühen und Ackerbau, was für den Jura ziemlich typisch ist. „Die Getreidepreise sind in den letzten Jahren drastisch gesunken das monatliche Milchgeld hält uns über Wasser. Deswegen wehren wir uns vehement dagegen, dass mit dem Milchpreis dasselbe passiert wie mit dem Getreidepreis", sagte Hüttinger. „Der Milchpreis ist seit 2001 um 16 Prozent gesunken, das ist existenzbedrohend." Hüttinger beteiligt sich deswegen auch an dem dreitägigen Lieferboykott. Die Milch, derzeit knapp 300 Liter täglich, verfüttert er an die Kälber oder schüttet sie in die Güllegrube, was er vor den anwesenden Medienvertretern auch demonstrativ tat. Wer sich gestern bei den Bauern umhörte, erfuhr, dass sich eine ganze Reihe dem Boykottaufruf anschloss. Aus Mantlach (Markt Titting) zum Beispiel liefert kein Einziger - auch Haunsfelder und Workerszeller Landwirte machen mit. Aber viele können sich den finanziellen Ausfall nicht leisten. Die Wut der Bauern richtete sich gestern, wie auf den Transparenten zu lesen war, überwiegend gegen die großen Discounter Aldi und Lidl: BBV-Kreisobmann Egid Nunner sagte in seiner Ansprache: „Wir protestieren gegen die Verramschung von Milch- und Milchprodukten als Lockvogelangebote für Non-Food-Artikel." Die großen Lebensmittelketten hätten in den vergangenen Woche ihre Marktmacht wie schon oft in der Vergangenheit bei den Preisverhandlungen mit den Molkereien gnadenlos ausgespielt. „Die Molkereien berichten, dass sie teilweise massiv erpresst werden, um die Preise weiter nach unten zu drücken", und das in Zeiten, wo Milch und Milchprodukte ohnehin viel zu billig verkauft würden. Wie Nunner berichtete, ist der Milchpreis in den vergangenen zwei Jahren „ins Bodenlose abgerutscht" und liegt derzeit bei 26 bis 27 Cent je Kilogramm. Eine unabhängige Studie habe errechnet, dass die Bauern aber für die Erzeugung eines Kilos Milch 28 bis 38 Cent aufwenden müssten: „Die Schmerzgrenze ist damit überschritten." Aber auch für die Verbraucher sieht der Bauernverband schwarz: Schon jetzt kaufe einer der großen Discounter bei einer tschechischen Molkerei Milchprodukte auf. Es sei zu befürchten, dass die Qualität sinke. „Unsere Milchbauern fordern faire Preise - mehr nicht", sagte Kreisobmann Nunner unter Applaus. Zudem dürften die Politiker nicht permanent die Lieferquote in Europa erhöhen: Weil in den vergangenen 20 Jahren die Quote immer weiter aufgeweicht worden sei, gebe es in Europa heute zuviel Milch, funktioniere das Marktordnungssystem nicht. Auch der Vorsitzende des Fleckviehzuchtverbands Pfaffenhofen und Ehrenkreisobmann Georg Schels wetterte gegen die politisch Verantwortlichen: „Das ist eine Schande für unsere Politik, sie hat total versagt." Unter großem Beifall sagte Schels: „Es ist ein Skandal, dass die Milch in unseren Supermärkten billiger ist als Katzen- und Hundefutter." Im Landkreis Eichstätt und der Stadt Ingolstadt gab es, wie der Bauernverband mitteilt, 2002 insgesamt 731 Milchkuhhalter mit 14191 Kühen. Zwanzig Jahre zuvor, 1982, waren es noch drei Mal so viele Milchviehalter gewesen, nämlich 2166 Höfe mit zusammen 22697 Kühen. Die Milchproduktion in Landkreis Eichstätt und Stadt Ingolstadt sank in diesen zwei Jahrzehnten von jährlich 104,4 Millionen Kilo auf 79,7 Millionen Kilo.
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EK vom 26.03.2004
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