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EK VOM 15.05.2004
 

Digitale Kunst von Philipp Drieger

Eichstätt (kif) Hightech in der Kunst muss nicht zwangsläufig die schöpferische Idee des Künstlers ablösen. Denn das eine ist das künstlerische Medium, das, wie Bankdirektor Siegfried Bauer jetzt bei der Ausstellungseröffnung mit digitaler Kunst und Fotografie des Pfünzer Philosophiestudenten Philipp Drieger, erläuterte, das ebenso Zeichenkreide oder Pinsel und Leinwand sein könnte. Das andere aber ist noch allemal, was der kreative Mensch, gleich welches Produktionsmittel er anwendet, daraus macht. Jedenfalls passten Driegers Arbeiten gut in das Ambiente des neuen von Stahl und Glas geprägten Bankgebäudes am Domplatz, so Bauer weiter, und es sei auch eine Freude für die Bank, wieder einmal einem ganz jungen Talent den Weg zu seiner ersten Einzelausstellung freizumachen. Drieger hatte auch gleich noch den Bibliotheksdirektor Dr. Hrvoje Jurcic für eine Ansprache zu seiner Ausstellung gewinnen können. Versteht sich von selbst, dass das Vernissage-Publikum am Donnerstagabend zahlreich und prominent war. Immerhin war ja, so wie sich das für einen Künstler mit philosophischem Background gehört, eine Einführung in die Philosophie des Künstlers angekündigt, und Drieger legte unter der Überschrift „Begegnung meiner Bilder" noch einige Gedanken zu den Visionen seiner Kunst drauf. Das ist schön, denn manchmal kann man ein Mehr an Sinn in weniger komplexen Satzwindungen ausdrücken, als dies Drieger auf seiner Homepage (www.noumentalia.de) unternimmt. Und dann, soviel sei zu den philosophischen Gehversuchen noch angemerkt, dann benötigt man für sein Publikum auch keinen „Übersetzer".

Endogene und exogene Welt
Dem Können am PC tut solches Wortgeklingel keinen Abbruch, aber man fragt sich als Kunstbetrachter, ob die digitale Kunst tatsächlich einer quasi-philosophischen Verbrämung bedarf. Immerhin kann Drieger durch seine Arbeiten, so Jurcic in seiner Einführung, doch gewinnen. „Lassen wir den Künstler selbst sprechen", fügte Jurcic schließlich bereitwillig an. Der schreibe auf seiner Homepage über die Philosophie seiner Kunst: „Jene zwei Pole, die endogene und exogene Welt, begegnen sich also im großen Grau, wobei ein jeder seine Tendenzen und Vorlieben hat". Tja, und die endogene Welt, so Drieger weiter, bringe nichts Unvorstellbares hervor. Da mag man nicht zweifeln, denn das Unvorstellbare kann man sich ja eh nicht vorstellen. Zur exogenen Welt erklärt Drieger schließlich: „Der naturgetreueste Weg, die uns umgebende Welt festzuhalten, ist die Photographie, wobei auch diese als eine gewisse (technische) Abstraktion zu verstehen ist, aber die Weiterführung dieser Idee der abstrakten Photographie kann wiederum einen ganz neuen Sektor photographischer Visualisierung eröffnen, insbesondere unter dem Zusatz digitaler Mittel". Das alles glaubt man unbesehen, wenn man Driegers Arbeiten in der Raiffeisenbank sieht. Nur, die Frage sei noch erlaubt, warum sagt uns der junge Digital-Künstler nicht einfach, dass er seine Bilder aus Nachbearbeitungen von Digitalfotos am PC oder aus am PC generierten Bildern komponiert und montiert. Das ist es dann auch schon, aber auch nicht weniger.


EK vom 14.05.2004 | EK vom 27.05.2004

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