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EK VOM 19.06.2004
 

Beleuchtungstechnik für die halbe Welt
Walter Bamberger erhellt Kirchen, Denkmäler, Museen und Verwaltungen


Eichstätt/Pfünz (hr) Walter Bamberger lehnt sich zurück, denkt kurz nach und sagt dann auf die Frage, was für ihn Licht sei: „Ein Phänomen. Ein Grundnahrungsmittel in jeglicher Form. Neben der physikalischen Größe ermöglicht Licht Empfindungen, hat unmittelbar Einfluss auf unsere Psyche und auf unsere Emotionen." Walter Bamberger ist Lichtfachmann. Der gelernte Elektroingenieur ist mit seiner Lichttechnik mittlerweile international gefragt und hat mit seinen Beleuchtungsarbeiten auch bereits mehrere .Preise gewonnen. Erst vor kurzem hat das Ingenieurbüro Bamberger nur knapp den ersten Platz bei einem international ausgeschriebenen Wettbewerb für die Beleuchtung des Völkerschlachtdenkmals in Leipzig verpasst. Bamberger landete auf Platz zwei. Doch die Hoffnung, dass sein Konzept der „Beleuchtung des Riesen", wie er es genannt hat, doch noch zum Zuge kommt, hat Bamberger noch nicht ganz aufgegeben. Denn die Entscheidung fiel nur denkbar knapp, und Befürworter seines Konzepts hat Bamberger nach wie vor genug, glaubt er. Das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig ist nur eines der Renommee-Projekte, an denen das Büro in Pfünz bei Eichstätt beteiligt ist oder war. Die Beleuchtung für das neu geplante Meeresmuseum in Stralsund beispielsweise ist so ein Auftrag, an dem Bamberger und sein 16-köpfiges Team arbeiten. „Eine neue Herausforderung", sagt der 58-Jährige. Denn schließlich muss den Fischen, die dort besichtigt werden sollen, ein Licht-Lebensraum in einer Meerestiefe von etwa 80 bis 90 Metern geboten werden - auf Normalnull für die Besucher natürlich. „Da holen wir uns dann Rat von den Meeresbiologen vor Ort", beschreibt Bamberger die Vorgehensweise seines Büros. Zusammenarbeit ist bei diesem Projekt wie bei allen anderen mit weiteren Bereichen wie Luft- und Klimatechnik Voraussetzung. Überhaupt versteht Walter Bamberger seine Arbeit, immer unter dem Oberbegriff des Gebäudemanagements. Ob das die Lichttechnik für die Landesbank Baden-Württemberg in Stuttgart ist, bei dem ein ausgeklügeltes System Tageslicht und Kunstlicht je nach Bedarf steuert und bei dem sich nach einem ausgeklügelten System das Kunstlicht im Laufe von 15 Minuten an das geänderte Tageslicht anpasst und Tageslicht mit riesigen Spiegeln in schattige Ecken geholt wird, oder das Mildred-Scheel-Haus, eine Kinderklinik der Uni Dresden, oder das Museum für die Gründungsgeschichte der Bundesrepublik Deutschland im Alten Schloss Herrenchiemsee oder die Dokumentationsstelle am Obersalzberg in Berchtesgaden oder das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg oder das Antiquarium in München, oder... In der Region sind zahlreiche Gebäude von ihm mit Lichtplanung und Lichttechnik ausgestattet: der Leonrodplatz in Eichstätt, das Kreiskrankenhaus Eichstätt, die Seniorenwohnanlage Ingolstadt-Hollerstauden, das Altenheim St. Elisabeth in Eichstätt, das Jugendhaus Schloss Pfünz, Schloss Hirschberg, das Pfarrzentrum Lenting, das Pfalzgrafenschloss in Neuburg a. D., die Fachhochschule in Ingolstadt, die Zentralbibliothek Eichstätt, die Marienapotheke Eichstätt, die Verkaufsräume der Firma Brandl in Eitensheim, die Raiffeisenbank Eichstätt. Gefragt ist Bamberger auch bei Kirchenprojekten. So kommt die Lichtplanung und Lichtsteuerung für die wieder aufgebaute Frauenkirche in Dresden aus dem Pfünzer Büro - und wurde im Jahr 2000 mit dem Innovationspreis für Architektur und Technik ausgezeichnet. Auch der Dom zu Erfurt St. Marien wird nach Bambergerschem System beleuchtet oder die Marienstiftskirche in Lieh bei Gießen oder die Kreuzkirche in Dresden. In allen Fällen hat Walter Bamberger dabei ein Lichtmanagement „erarbeitet" und seine Beleuchtung auf die verschiedensten Situationen abgestellt: Ob normaler Gottesdienst, feierlicher Gottesdienst, Andacht, Orgelkonzert oder Führung - das Licht wird dem Anlass entsprechend eingesetzt. Sein ursprüngliches Metier, die Elektrotechnik, hält Bamberger denn auch nach wie vor ganz hoch. Auf der basiere alles, das sei sein Ansatz - auch in Fragen der Ökologie, der Sicherheitstechnik, der Nachrichtentechnik oder der Elektroakustik, Themen, mit denen er sich zudem befasst. Sein Büro gründete Bamberger, der aus einem Eichstätter Elektrogeschäft stammt, im Jahr 1971. Zuvor hatte er die damalige Oberrealschule besucht, das Abitur an einem Regensburger Abendgymnasium nachgeholt und dann Elektrotechnik studiert. Zur Lichtplanung ist der Elektrotechniker Bamberger durch seine Auseinandersetzung mit den Themen Architektur, Wahrnehmung und Wahrnehmungspsychologie gekommen. Und bald schon fand er „hervorragende Architekten", mit denen er zusammenarbeiten konnte und die für ihn quasi zum Lehrmeister wurden: Karljosef Schattner in Eichstätt beispielsweise oder Hillmer und Sattler oder Günther Behnisch, mit dem er heute noch arbeitet und mit dem er zusammen derzeit auch das Verwaltungsgebäude der UN in Genf plant. Heute sucht er mit seinen 16 Mitarbeitern nach ausgefallenen und originellen Ingenieurslösungen, wenn es darum geht, neue Wege für anspruchsvolle Aufgabenstellungen zu finden. Für seine Arbeit wurde das Büro auch schon des Öfteren ausgezeichnet: mit dem zweiten Preis des „Third European Lighting Contest der ELC", mit dem „Balthasar-Neumann-Preis" für beispielhafte Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen und mit dem „Innovationspreis Architektur und Technik". Zwei Patente hat das Büro auch schon angemeldet: für eine Vorrichtung zur Bestimmung der Farbtemperatur, des Infrarotanteils und der Helligkeit von Tageslicht sowie für eine Vorrichtung zur Erzeugung von Licht mit variabler Farbtemperatur und Helligkeit. Letzteres entstand aus der Diplomarbeit von Bambergers Sohn Michael (32), der in die Fußstapfen des Vaters getreten ist. Auch der zweite Sohn, Walter (25), hat sich der Elektrotechnik verschrieben und schließt derzeit sein Studium an der TU München ab. Walter Bamberger ist Jury-Mitglied in Preisgerichten bei Architektur-Wettbewerben und gefragt als Referent bei Vorträgen und als Autor bei Veröffentlichungen. Das alles lässt nicht mehr viel Spielraum für Freizeit. Und dennoch: Seit 1961, seit 43 Jahren also, spielt Walter Bamberger Sonntag für Sonntag zum Gottesdienst in der Frauenbergkapelle in Eichstätt die Orgel. Eine Leidenschaft, die er sich erhalten hat - trotz Tagesgeschäft und engem Terminkalender. Eine Leidenschaft, die er schon mal zum Beruf machen wollte. Denn als er nach dem Abitur vor der Entscheidung stand, was er studieren sollte, da schwankte er zwischen Musik und Elektrotechnik hin und her. „Mach" was G'scheites", hat ihm ein Freund damals geraten. Bamberger studierte Elektrotechnik. Bereut hat er es bis heute nicht.


EK vom 04.06.2004 | EK vom 19.06.2004

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