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EK VOM 12.08.2004
 

Entspannungskünstler unter Gleichgesinnten in der freien Natur
Beim Hobbymalertreff von Siegfried Schieweck-Mauk stehen der Kontakt und der Spaß an erster Stelle

Rieshofen (rin) Vorsichtig streicht Christine Betz schwarze Wasserfarbe aufs Papier. Strich für Strich, Ast für Ast folgt ihr Pinsel den zarten Bleistiftlinien, mit denen sie zuvor den abgestorbenen Baum skiziert hatte. Ein Schluck aus der Wasserflasche - es ist heiß an diesem Tag am Hungerturm in Rieshofen. Auch wenn sich Christine Betz mit ihrem Klappstuhl und dem kleinen Tischchen, auf dem ihr Malblock liegt, am Rand der Wiese dicht ans Gebüsch gesetzt hat, das ein bisschen Schatten spendet. Zwei Meter neben ihr sitzt ihr Mann Michael, eine Feldstaffelei vor sich. Die Eheleute Betz aus Stammham sind Hobbymaler - und regelmäßige Teilnehmer des Hobbymalertreffs, den Siegfried Schieweck-Mauk, Geschäftsführer des Kreisbildungswerks Eichstätt, seit Mai organisiert. Der Name ist Programm: Mitmachen kann jeder, egal, ob mit viel oder wenig Maierfahrung. „Ich bin so eine blutige Anfängerin", gesteht Christine Betz, „das erste Mal bin ich nur aus Sympathie für meinen Mann mitgefahren. Dann wollte ich es selber einmal versuchen - das heute wird mein zweites Bild." Ehegatte Michael malt dagegen seit zwei Jahren, seit er während eines Rehaklinikaufenthaltes Feuer gefangen hat: „Das hat mich nicht mehr los gelassen." Am Hobbymalertreff gefällt den beiden vor allem der Austausch mit Gleichgesinnten: „Am Ende schaut man natürlich auch, wie haben die anderen das gemacht, welche Perspektive haben die gewählt, da holt man sich auch Anregungen." Die anderen Teilnehmer sind heute neben Siegfried Schieweck-Mauk vier Frauen, die sich tatsächlich ganz unterschiedliche Sitzplätze und damit Blickwinkel gesucht haben auf der kleinen Wiese rund um den alten Turm. Die eine vertraut dem geübten Blick von Schieweck-Mauk und setzt sich neben ihn vor die dem Dorfzugewandte Seite des Turmes, die zweite bevorzugt Abstand und damit eine Gesamtansicht der pittoresken Szenerie. Die kühle Altmühl im Rücken, sitzen die Freundinnen Maria Goldstein und Vitina Müller aus Eichstätt unter dem Schatten eines kleinen Bäumchens. Außer dem sanften Plätschern des Flusses ist es still. Konzentriert schauen die Frauen abwechselnd auf den steinernen Turm, die dichtbelaubte Eiche vor ihnen und auf den Block, der auf ihren Knien liegt. Im Gras ringsherum sind dicke und dünne Pinsel, Kreiden und Aquarellfarben ausgebreitet. Zwar malen die beiden „so hobbymäßig schon länger", aber durch den Hobbymalertreff das erste Mal im Freien. Und das ist, sagt Maria Goldstein, auch eine Herausforderung: „Hier draußen muss ich mich erst einmal entscheiden, was male ich, wie male ich es und wie bringe ich es perspektivisch aufs Blatt?" Dabei sei mitunter die Auswahl bestimmter Details das wichtigste, ergänzt Vitina Müller. „Ich habe nicht den Anspruch, das genauso abzubilden, wie es dasteht. Hier lasse ich zum Beispiel das Mäuerchen weg." Siegfried Schieweck-Mauk, der seit vier Jahren und immer im Freien malt, ermuntert die Teilnehmer zu diesem freien Stil. „Ich sage immer, wir fotografieren ja nicht." Eine weitere Besonderheit im Freien: Es gibt immer jemanden, der einem über die Schulter schaut. Auch hier in Rieshofen kommen von einem Fest in der Nähe die Neugierigen, vor allem Kinder, zu den Hobbykünstlern. So sei er überhaupt auf die Idee zu dem Treff gekommen, erzählt Schieweck-Mauk: „Die Leute haben oft zu mir gesagt, ach ich male ja auch so gerne, aber alleine traut man sich ja nicht so." Als der Erfahrenste der Truppe geht er auch immer wieder herum, beantwortet Fragen, lobt Fort schritte. „Es soll ja vor allen Dingen Spaß machen." Das ist offensichtlich: Bei aller Konzentration bleibt immer Zeit für einen Plausch. Entspannung pur. Da klingt es einleuchtend, wenn Vitina Müller sagt: „Mir hat mein Hausarzt das Malen empfohlen."


EK vom 04.08.2004 | EK vom 12.08.2004

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