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EK VOM 30.08.2004 |
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Das geheime Nachtleben von Pfünz 900 Fledermäuse haben ihr Sommerquartier im Kirchengebälk
Eichstätt (eha) Kirchenmäuse gibt es überall - mit Fledermäusen aber können im Landkreis Eichstätt nur sechs Gotteshäuser aufwarten. In Pfünz zum Beispiel wohnen rund 900 „Große Mausohren" im Gebälk des Turms. Bei der 8. Europäischen Fledermausnacht am Samstag flogen sie den Besuchern buchstäblich um die Ohren. Der Vollmond hängt groß und bleich am Pfünzer Nachthimmel. Vor der Kirche, nur schwach beleuchtet von einigen Grablaternen, haben sich an die 50 Menschen versammelt. Gebannt starren sie hinauf zum Turm. Da - die erste Fledermaus saust aus der Öffnung unter der Turmuhr. In Sekundenbruchteilen flitzt sie im Sturzflug Richtung Boden, segelt nur wenige Zentimeter über die Köpfe der Zuschauer hinweg und entschwindet Richtung Osterberg - denn dort wartet ihr Futter. Der nächtliche Gast ist einer der „Großen Mausohren", die den Pfünzer Kirchendachstuhl zu ihrer „Wochenstube" erklärt haben. „Denn dort oben", erklärt Willi Reinbold, „leben nur Weibchen und Jungtiere. Die Männchen sind im Sommer zum Einzelgängertum verurteilt und warten auf die Paarungszeit." Reinbold leitet die Fledermausaktion der Eichstätter Kreisgruppen vom Landesbund für Vogelschutz und Bund Naturschutz.
Ungestört und zugfrei Dass er gerade die Pfünzer Kirche ausgesucht hat, ist kein Zufall. Schließlich ist das Frankenjura eines der Hauptverbreitungsgebiete der selten gewordenen Mausohren. Die Kirchen seien für die Nachtschwärmer ideale Quartiere: Ungestört, von konstanter Temperatur und zugfrei. ' Deshalb stehen die sechs von Fledermäusen bewohnten Kirchen im Landkreis Eichstätt nicht nur unter Denkmal-, sondern auch unter europäischem Naturschutz. Im Minutentakt verlassen die Fledermäuse ihre Pfünzer „Ersatzhöhle". Vor dem mondbeschienenen Weiß des Kirchturms sind die dunklen Säugetiere gut zu erkennen. Angst muss niemand vor ihnen haben. Denn alle deutschen Fledermausarten haben nichts mit den flatternden Gestalten aus Gruselromanen zu tun - sie geben sich lieber mit schmackhaften Insekten zufrieden. Das Mausohr jagt bevorzugt in Laubwäldern. Dicht über dem Boden hält es dort nach Käfern und anderen Insekten Ausschau.
Elefant der Fledermäuse „Mit dem Mausohr wohnt der Elefant der Fledermäuse in Pfünz", so Reinbold. Sie ist die größte der 25 heimischen Fledermausarten: bis zu acht Zentimeter lang, bis zu 30 Gramm schwer und mit einer Flügelspannweite von um die 40 Zentimeter. Als Anschauungsobjekt zeigt Reinbold eine Fledermausmumie: Das Tier starb eines natürlichen Todes und wurde luftgetrocknet und konserviert. Immer mehr Tiere fliegen hinaus in die Nacht und lassen sich auch nicht davon stören, dass die Glocken ihren Dienst verrichten und Reinbold mit einer starken Taschenlampe die beiden Hauptausflugslöcher anstrahlt. „Solange man nicht die Wochenstube betritt, kümmern sich die Fledermäuse nicht um den Menschen", erklärt Reinbold. Schutz brauchen die Tiere trotzdem. Schließlich hätten sich die Bestände vor allem durch den starken Pestizideinsatz in den 70er Jahren bedenklich dezimiert. Langsam ginge es wieder aufwärts. Dafür sorgt unter anderem die Arbeitsgruppe Fledermausschutz des Eichstätter Bundes Naturschutz und des Landesbundes für Vogelschutz. Sie kümmert sich um verletzte Tiere und den Erhalt der Quartiere, berät Bauleute und bringt Nistkästen an.
Bat-Detektor Bei jedem Mausohr, das hinaus fliegt, herrscht kurze Stille bei den Zuschauern. Denn den Flug kann man hören: Beim Sturzflug knattern die Flügel wie der Stoff eines Flugdrachens, der im Wind flattert. Reinbold greift zusätzlich noch in die Trickkiste. Der „Bat-Detektor" übersetzt die Ultraschallrufe der Fledermäuse, denn schließlich sehen die Tiere mit den Ohren. Wann die Mausohren den Turm verlassen, geschieht nicht auf Kommando. „Die Tiere machen das nach eigenem Ermessen", so Reinbold. „Und wenn sie keinen Hunger haben, bleiben sie auch mal die ganze Nacht kopfüber an den Balken und Wänden hängen." Bis zu 20 Jahren kann eine Fledermaus alt werden. Sie sind intelligent und lernfähig - und die Weibchen können beispielsweise selbst bestimmen, von welchen Spermien ihr Ei begattet wird, oder sie zögern bei schlechter Futterlage die Geburt ihres Jungen um bis zu zwei Wochen hinaus.
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EK vom 14.08.2004 | EK vom 31.08.2004
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