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EK VOM 23.09.2004
 

Landratsamt zieht mit Bußgeldbescheid Schlussstrich unter Turmhausabriss

Gungoldinger Trachtler bauen neues Vereinsheim / „Im hohen dreistelligen Bereich" / „Vernünftiges Maß"

Gungolding/Eichstätt
(kno) Nach gut eineinhalb Jahren hat der wohl umstrittenste Abriss in den vergangenen Jahren im Landkreis Eichstätt ein vorläufiges Ende gefunden. Mit einem Bußgeldbescheid hat das Landratsamt den teils ungenehmigten Abbruch des denkmalgeschützten Turmhauses in Gungolding geahndet. Wie mehrfach berichtet, hatte der örtliche Trachtenverein das aus dem 18. Jahrhundert stammende Gebäude im Februar 2003 so gründlich „entkernt", dass nichts mehr davon übrig geblieben ist. Das Bußgeld, hieß es aus dem Landratsamt, liege „im hohen dreistelligen Bereich". An wen genau der Bescheid herausging, wollte Leo Mittermüller, Regierungsdirektor der Behörde, nicht sagen: „An einen Verantwortlichen des Trachtenvereins." Das Landratsamt hatte eine Ordnungswidrigkeit gegen das Bau- und das Denkmalrecht festgestellt. Die Strafe sei so angesetzt worden, dass sie „in dieser Höhe gerade noch und widerstrebend akzeptiert worden ist". Sie sei „kein Pappenstiel", so Mittermüller. Rechtsmittel vom Verein seien nicht eingelegt worden. Für das Landratsamt habe gegolten, „ein vernünftiges Maß" zu finden und eine mögliche Trotzreaktion des Vereins, gar nicht mehr zu bauen, zu verhindern: „Wir wollten keine leere Fläche provozieren." Als Vergleichsfall sei ein Geschehen aus den siebziger Jahren herangezogen worden, bei dem „in einer Nacht- und Nebelaktion" gleich ein ganzes denkmalgeschütztes Bauernhaus vorsätzlich abgebrochen worden ist. An der damals vom Ingolstädter Amtsgericht verhängten Strafe habe man sich orientiert, so Mittermüller. Obwohl jener Fall damals „wesentlich schwerwiegender" gewesen sei. Immerhin hatte der Gungoldinger Turmhausabriss für enormes Aufsehen bis hinauf in den bayerischen Landtag gesorgt. Harsche Worte fielen im dortigen Hochschulausschuss: Von einem „unglaublichen Vorgang" war die Rede. Ausschusschef Ludwig Spaenle, der zwischendrin selber vor Ort gewesen ist: „So etwas habe ich noch nie erlebt." Auch der Jurahaus-Verein forderte, „diesen Denkmalfrevel öffentlich und nachhaltig zu behandeln, um Nachahmungstäter abzuschrecken". Rückblickend räumt Mittermüller ein, dass zwischen den beteiligten Parteien „einiges nicht so gelaufen ist, wie es hätte laufen sollen". Den Trachtenverein „D'Waldbauern" ficht dies alles nicht mehr an. Mit vereinten Kräften sind die Mitglieder derzeit dabei, ihr neues Heim zu bauen. Der Rohbau steht schon fast. Es soll eine Art Ersatz-Turmhaus werden - eine Kopie des Originals. Mit dem echten Turm obendrauf, den die Trachtler erhalten und restauriert haben.


EK vom 23.09.2004 | EK vom 28.09.2004

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