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EK VOM 16.12.2006
 

Alle Kraft für Behinderte
Karl Riedlmeier aus Gungolding reißt das ganze Dorf mit

Von Maria Frauenknecht
Gungolding (EK) „Die Welt lebt von jenen Menschen, die mehr tun, als ihre Pflicht". Einer, auf den dieser Satz ohne Einschränkung zutrifft, ist Karl Riedlmeier aus Gungolding. Seine wichtigste Sorge gilt dem Wohl behinderter Menschen.
Bekannt sind die jährlichen Vorweihnachtsfeiern in Gungolding, die er in diesem Advent zum 28. Mal für die Behinderten des Vereins „Lebenshilfe der Region 10 Ingolstadt" ausrichtet. Am kommenden 3. Adventssonntag ist es wieder soweit. Um 14 Uhr steht Karl Riedlmeier am Rednerpult, in diesem Jahr im Gasthaus Plenagl, und begrüßt seine Gäste. Eigentlich sind es alles seine Freunde: die Behinderten und deren Eltern und Angehörigen ebenso wie die Betreuer aus Werkstätte und Wohnheimen, Vertreter aus der Politik, von den ihn großzügig unterstützenden Firmen, die Gungoldinger Vereine und nicht zuletzt „sein Team", das für den reibungslosen Ablauf vor und hinter den Kulissen sorgt. Und zwar während der Feier, Wochen davor und danach. Denn auch hier gilt: Nach der Feier ist vor der nächsten Feier. Karl Riedlmeier ist der „Erfinder" dieser vorweihnachtlichen Feierstunde, deren Mindestanspruch es von Beginn an war, sich finanziell selber zu tragen. Anfangs ging er noch allein von Haus zu Haus, warb für die gute Sache und bat um materielle Unterstützung. Inzwischen haben sich ihm eine ganze Reihe von Frauen und Männern angeschlossen, sonst wäre das Ganze auch nicht mehr zu bewältigen. Niemanden davon hat er angesprochen, alle sind einfach gekommen, um mitzuhelfen und in ihrem oder einem Nachbarort zum Sammeln gehen. Genauso ist es mit den Gruppen, die sich für die musikalische Gestaltung der Adventfeiern engagieren. Karl Riedlmeier konnte immer aus dem Vollen schöpfen. Entweder er ist gefragt worden, ob man mal spielen oder singen dürfte, oder wenn ihm selbst da und dort ein Chor, eine Musikkapelle oder eine Gruppe gefallen hat, dann hat er meistens gleich gefragt, ob sie zu „seiner" Vorweihnachtsfeier kommen würden; da hat noch keiner Nein gesagt und jeder hat für Gottes Lohn sein Bestes gegeben. Seit Jahren steht das „Gungoldinger Team" als fester Rückhalt hinter ihm, und alle füllen das jeweils zugewiesene oder in der langen Zeit einfach „zugefallene" Aufgabengebiet zuverlässig aus. Daraus ist fast so etwas wie einer Partnerschaft zwischen dem Dorf Gungolding und dem Verein Lebenshilfe e.V. entstanden. In den ersten Jahren waren die Adventfeiern noch vergleichsweise bescheiden. Doch aus dem Reinerlös konnten von Anfang an die großen Bauvorhaben der Lebenshilfe tatkräftig unterstützt werden, immer auch in Zusammenarbeit mit der DK-Aktion „Vorweihnacht der guten Herzen". Schon bald erfreuten sich die Feiern in Gungolding solch großer Beliebtheit, dass dann einige Jahre lang sogar zwei Feiern statt fanden, die entweder parallel in den beiden Gungoldinger Gastwirtschaften oder auch am Samstag und am Sonntag nacheinander veranstaltet wurden. Die „Lebenshilfe-Werkstätten" sind inzwischen so groß geworden, dass in Gungolding nur noch die Adventfeier für die Werkstätte Gaimersheim mit den dazugehörigen Wohnheimen stattfinden kann. Zum großen Bedauern Riedlmeiers hat sich immer noch niemand gefunden, der für die anderen Werkstätten etwas Ähnliches auf die Beine stellen würde. Bei den Feiern in Gungolding besucht immer auch der heilige Nikolaus in seinem schönen Ornat die Behinderten und bringt jedem ein Nikolaussäckchen mit. Wer einmal vor Glück und Zufriedenheit strahlende Menschen sehen will, der sollte hier dabei sein. Klaus Frank ist in seine Nikolaus-Rolle inzwischen hervorragend hineingewachsen. Für alle hat er nicht nur ein Geschenk, sondern für jeden Einzelnen Zeit für ein freundliches Wort. Bevor der Nikolaus eintrifft, gibt es eine kleine Feierstunde mit Liedern und anderen musikalischen Darbietungen, Gedichten, Geschichten und den Ansprachen der Ehrengäste. Nachher ist mittels Spenden auch immer für eine reichhaltige Verlosung und meist auch für eine kleine Versteigerung gesorgt. Auch die Übergabe vieler Spenden ist in die Feierstunde integriert. Eine ganze Reihe von Firmen ist nämlich in den letzten Jahren dazu übergegangen, statt Weihnachtsgeschenken an Firmenkunden eine Spende an Karl Riedlmeier für die Aufgaben der Lebenshilfe zu geben. Auch die Gemeinde Walting und viele Vereine aus dem Gemeindebereich und darüber hinaus tragen diese Anliegen mit. Karl Riedlmeier ist selber Vater eines behinderten Sohnes. Seit annähernd 40 Jahren engagiert er sich für behinderte Menschen. Mehrmals hat er große Feste in Gungolding für und mit den Behinderten organisiert, seien es Sommerfeste im Zelt oder gemeinsame Gottesdienste in der Pfarrkirche. Besonders beliebt ist die jährlich durchgeführte Wanderung mit den Bewohnern der Wohnheime, die dann einen geselligen Ausklang hat. Bei den Aktivitäten kommt immer wieder zu Tage, dass die Bewohner von Gungolding längst jede Scheu vor dem Umgang mit Behinderten verloren haben und sie als Freunde und Mitmenschen gerne und selbstverständlich annehmen -und das ist das besondere Verdienst Karl Riedlmeiers. Ins Dorfleben ist Karl Riedlmeier jedoch über diese Arbeit hinaus integriert und bringt seine Kraft, seine Ideen und seine Erfahrung ein, wo er nur kann. So war er in den zurückliegenden Monaten eifriges Mitglied der Vorbereitungsgruppe „llll Jahre Gungolding" und bis zum Abschluss des Festes überall im Einsatz, wo er gerade gebraucht wurde. Große Freude hat es ihm dabei bereitet, wie die früheren „Gemeindediener" mit der Glocke in der Hand durchs Dorf zu gehen und die aktuellen Bekanntmachungen unters Volk zu bringen.


EK vom 16.12.2006 | EK vom 19.12.2006

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