|
|
|
 |
 |
 |
 |
EK VOM 04.08.2007 |
 |
|
|
In Chile gelernt und geholfen Lucia Mayer aus Rapperszell war „Missionarin auf Zeit" / Angebot seit 25 Jahren
Rapperszell (pe) Die 23-jährige Lehramtsstudentin an der Katholischen Universität Eichstätt Ingolstadt, Lucia Mayer aus Rapperszell, war ein Dreiviertel-Jahr In Chile. Sie war Missionarin auf Zelt. Missionare in fernen Ländern faszinieren mit ihrem Engagement oft insbesondere junge Menschen. Dies ein Leben lang auch zu tun - das können sich freilich nur wenige vorstellen. Was vielen allerdings nicht bekannt ist: Es gibt auch die Möglichkeit für junge erwachsene Frauen und Männer, Missionarin oder Missionar auf Zeit zu werden: Ein solches Programm riefen 20 katholische Ordensgemeinschaften in Deutschland vor genau 25 Jahren ins Leben. Lucia Mayer aus Rapperszell arbeite in Chile in einem Kindergarten der Hilfsorganisation „Fundacion Cristo vive", die die aus Pietenfeld stammende Schwester Karoline Mayer gegründet hat. „Was die Arbeit mit den Kindern betrifft, haben sich die Erwartungen auf jeden Fall erfüllt, wenn nicht eher übertreffen, Ich fand das echt super, was die für eine positive Ausstrahlung gehabt haben trotz der vielen Probleme, die eigentlich die meisten haben." Bei Lucia Mayer überwiegen die positiven Eindrücke ihres Aufenthaltes „Missionarin auf Zeit". Und als ein Gesamtfazit zieht sie, dass sie durch ihre Erfahrungen in dem südamerikanischen Land „eine positivere und gelassenere Lebenseinstellung zu manchen Dingen" bekommen hat. Auf der anderen Seite, verhehlt sie nicht, habe sie auch einiges Erlebte schockiert: vor allem „Gewalt in der Familie oder, dass einfach wahnsinnig Viele Drogen nehmen oder, dass die Eltern wahnsinnig jung sind. Es kommt oft vor, dass die Eltern erst 15 sind, wenn sie ein Kind bekommen", schildert die Lehramtsstudentin. In dem Armenviertel, in dem der Kindergarten liegt, habe sie mitbekommen, dass zum Teil über zehn Familienangehörige auf engstem Raum zusammenleben. Gerade deshalb sei der Kindergarten, in dem sie tätig war, für viele Kinder so wichtig, „denn die bekommen zu Hause viel zu viel mit, was eigentlich nicht für sie bestimmt ist. Und ich glaube, dass viele ihre Kindheit im Kindergarten noch leben können, was sie zu Hause nicht können", erläutert Lucia Mayer. Froh ist sie, dass sie nicht nur diese Erfahrungen gemacht hat, sondern auch selbst im Kindergarten gebraucht wurde. Die für sie zuständige Erzieherin sei für 33 Kinder im Alter von vier bis fünf Jahren verantwortlich. „Es war eigentlich unmöglich, dass sie es allein schaffte, beispielsweise Kinder im Bad zu betreuen und gleichzeitig andere im Saal zu beaufsichtigen. Deswegen haben wir zusammen angepackt." Lucia Mayer konnte so das doppelte Ziel eines Einsatzes „Missionar auf Zeit" praktisch gut umsetzen: Helfen und Lernen. Gelernt hat sie am Anfang zunächst einmal einen Monat lang jeden Vormittag Spanisch. Um ihre Sprachkenntnisse weiterhin zu pflegen, aber vor allem, um zu den neu gewonnenen Freunden vor Ort weiterhin in Kontakt zu bleiben, telefoniert und mailt die vor kurzem zurückkehrte Studentin häufig nach Santiago de Chile. Darüber hinaus nimmt sie an regelmäßig stattfindenden Zusammenkünften von „Missionaren auf Zeit" in ganz Deutschland teil, die in dem chilenischen Hilfsprogramm einmal tätig gewesen sind. Andererseits verschweigt Lucia Mayer auch nicht, dass „einen in Deutschland auch viel zu schnell Alltag und Unistress wieder einholen".
„Ein gewisses Netzwerk nötig" Rapperszell/Eichstätt (pe) Ein Problem, das der Referent für Weltkirche im Bistum Eichstätt, Gerhard Rott, aus Erfahrungsberichten kennt. Er berät und vermittelt jährlich zwei bis drei Missionare auf Zeit aus dem Bistum Eichstätt. Zu den letzten gehörte Lucia Mayer. „Viele machen die Erfahrung, dass es viel schwerer ist, in die deutsche Kultur wieder hineinzukommen bei der heutigen Geschwindigkeit und zunehmenden Technisierung: Wenn man da ein Jahr lang weg ist, das merken die jungen Menschen. Der Umgang mit Zeit, Hektik und Stress ist etwas, was kulturbedingt natürlich in einem anderen Land ganz anders ausgeprägt ist", so Rott. Ferner, bedauert er, gebe es nach der Rückkehr dann viel zu wenig offene Ohren, die Interesse haben an den Erzählungen der Missionare auf Zeit. Doch dem Referat Weltkirche sei es gelungen, „ein gewisses Netzwerk" aufzubauen und Missionare auf Zeit zum Beispiel in für sie interessante Arbeitskreise, Sachausschüsse und Eine-Weltläden einzubinden. Doch nicht nur dort, sondern auch den jungen Menschen selbst kämen zum Beispiel bei Bewerbungen oft die erworbene Auslandserfahrung und Sprachkompetenz zugute. Nach dem Eindruck Rotts ist der Blick auf den eigenen Lebenslauf in den letzten Jahren auch zu einer wesentlichen Motivation geworden. Hauptmotivation sei aber der aus einer christlichen Lebensführung heraus verspürte Impuls zu kirchlichem und sozialem Engagement. Der Dienst Missionar auf Zeit im Ausland ist für junge Menschen in vielfältiger Weise möglich: zum Beispiel in Kindergärten, Alten-, Kranken -und Behinderteneinrichtungen. Nach Erfahrung von Gerhard Rott muss er aber gut vorbereitet und nachbereitet werden. Wer sich dafür interessiert, wendet sich an das Referat Weltkirche im Bistum Eichstätt, Luitpoltstraße 4, 85072 Eichstätt, Telefon (0 84 21) 5 06 78, E-Mail: weltkirche@bistumeichstaett.de Dieses Referat berät und leistet auch einen Zuschuss bei den Flugkosten.
|
EK vom 02.08.2007 | EK vom 06.08.2007
|
Druckbare Version
|
|