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EK VOM 15.08.2007
 

Tod in der Wochenstube
Über 320 Jungfledermäuse in der Pfünzer Kirche verendet

Von Hermann Redl
Eichstätt/Pfünz (EK) Im Landkreis Eichstätt gibt es das größte Vorkommen der Fledermausart Großes Mausohr in Oberbayern. Doch jetzt wurde der Bestand in der bislang größten Wohnstube in der Pfünzer Kirche arg dezimiert.
Über 320 Jungtiere haben Mitarbeiter der „Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz im Landkreis Eichstätt" unter Leitung von Koordinator Dr. Andreas Zahn im Dachboden der Pfünzer Kirche verendet vorgefunden. „Es war eine Routinekontrolle für die Bestandszählung", berichtet Willi Reinbold vom Landesbund für Vogelschutz, der zusammen mit dem Bund Naturschutz und weiteren Ehrenamtlichen Mitglied der Arbeitsgemeinschaft ist. Warum die Tiere verendet sind, dafür gibt es keine Erklärung. „Wir wissen nicht, woran sie gestorben sind", sagt Reinbold. Auf jeden Fall haben die Muttertiere das Säugen ihres Nachwuchses eingestellt. Die Weibchen waren entweder selbst vom Tod bedroht und haben deshalb mit dem Säugen aufgehört, oder sie haben mit der Nahrung Gift aufgenommen, das der Nachwuchs - im Gegensatz zum Muttertier - nicht verkraftet hat. An Gift glaubt Reinbold jedoch nicht, da in der Landwirtschaft längst nicht mehr so flächendeckend Spritzmittel eingesetzt werden wie noch in den 60er oder 70er Jahren, was dann auch zu einem starken Rückgang der Fledermauspopulation im Landkreis geführt hatte. Außerdem jagt das Große Mausohr vornehmlich im Wald, und auch dort wird - trotz Borkenkäfer - nicht gespritzt, hofft Reinbold. Eine lang andauernde Schlechtwetterperiode, in der die Muttertiere bei der Nahrungssuche erfolglos wieder ihr Quartier aufgesucht haben, hat es auch nicht gegeben. Etwa zwei Wochen, so sagt Reinbold, könnten die Tiere auch bei Regen und Kälte und ohne Nahrungsaufnahme ihren Nachwuchs säugen. Natürlich, so räumt Reinbold ein, habe es in der Vergangenheit immer schon derartige Fälle der Dezimierung gegeben - zuletzt vor etwa acht Jahren. Damals aber war eine Schlechtwetterperiode die Ursache. Derartige Zwischenfälle seien auch für die Gesamtpopulation im Landkreis verkraftbar. Etwa ein Fünftel aller Großen Mausohren von Oberbayern lebt im Raum Eichstätt. Das haben die Zählungen, die seit 1990 von der Arbeitsgemeinschaft regelmäßig in den gleichen Wohnstuben durchgeführt werden, ergeben. Das liegt Reinbold zufolge an der Landschaftsstruktur. Denn der Landkreis zählt zur südlichen Frankenalb und ist, was die Fledermausfauna betrifft, Nordbayern vergleichbar. In Franken gibt es noch größere Wohnstuben als die im Landkreis - die größten hier sind Pfünz und Gungolding. Wurden in Pfünz bis zum jetzt entdeckten Tod der Jungtiere bis zu 1100 Tiere gezählt, sind es dem neuesten Stand der Zählung zufolge in Gungolding derzeit etwa 1300. In Breitenfurt zählte die Arbeitsgemeinschaft 835, in Obereichstätt 375, in Schambach 415 und in Unteremmendorf (alles in Kirchen) 180. Insgesamt 16 Arten (von 25 in Deutschland) hat die Fledermausgruppe im Landkreis Eichstätt bislang gezählt. Zwei Arten, das Große Mausohr und die Bechstein-Fledermaus, gehören zu den so genannten FFH-Arten: Kommen sie im Landreis nicht mehr vor, ist ihr Bestand weltweit gefährdet.


EK vom 15.08.2007 | EK vom 21.08.2007

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