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Rieshofen will in Solarbundesliga oben mitmischen
Schon jetzt über die Hälfte des Stroms von der Sonne / „Photovoltaik wird als Dacheindeckung Standard"
Rieshofen (kno) Die Rieshofener sind schon ein ehrgeiziges Völkchen: Seit dem Sieg bei „Unser Dorf soll schöner werden" auf Bayernebene 1993 auch als .Golddorf" bekannt, setzt die schmucke 160 Seelen-Ortschaft zum nächsten Höhenflug an - sie will oben mitmischen in der Solarbundesliga. Die Voraussetzungen dafür wurden in den vergangenen Monaten geschaffen: Rein rechnerisch kommt schon aber die Hälfte des Stroms, den die Rieshofener verbrauchen, von der Sonne.
„Wird Windkraft überholen"
Solarbundesliga.de ist ein Internet-Forum, in dem die deutschen Kommunen um den Platz an der Sonne kämpfen. Mit etwa 300 Watt erzeugtem Sonnenstrom pro Einwohner und Jahr käme Rieshofen in der Ortsteilliga aktuell auf Platz 23 (Böhmfeld rangiert übrigens in der Gesamttabelle auf 51). Die Anmeldung ist schon unterwegs, berichtet Ferdinand Bauer, mitverantwortlich ist für den Solarboom in dem Altmühldorf. Der Rieshofener Elektromeister, der sich in Ingolstadt mit seinem Betrieb auf Photovoltaik spezialisiert hat, hantierte schon 1987 mit Solarzellen und montierte so genannte Inselanlagen auf Gartenhäuschen und Wohnmobile. In den letzten Jahren kam die Branche freilich richtig in Schwung - mit durchschnittlich über 60 Prozent Wachstum im Jahr. Und das Ende der Fahnenstange ist noch längst nicht in Sicht: 2020, so kündigt der Solarpionier an, sollen 20 Prozent des bundesdeutschen Stroms aus Photovoltaik kommen - derzeit sind es noch 0,5 Prozent. „Photovoltaik wird die Windkraft überholen", so Bauer. Ein Blick nach Rieshofen genügt, um zu sehen, wie es künftig in den Dörfern aussehen könnte: Sieben PV-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 94 Kilowatt glänzen dort mittlerweile in der Sonne - und erzeugen etwa 60 Prozent des Stroms, den das Dorf Rieshofen braucht. Der Strom fließt aber ins Netz von N-ergie: Wegen der Einspeisevergütung, die mit aktuell knapp 55 Cent pro Kilowattstunde wesentlich teurer ist als der „Einkauf'. Damit will die Bundesregierung den Bau von PV-Anlagen fördern, die mit rund 5000 Euro pro installierter kWh nicht gerade billig sind.
Tabellenführer
Unangefochtener Tabellenführer in der dorfinternen Liga ist der Land- und Gastwirt Johann Bauer, der insgesamt 72 Kilowatt „laufen" hat - die größte Anlage auf rund 400 Quadratmetern Stadeldach wurde im Oktober in Betrieb genommen. Solche Anlagen erfordern zwar große Investitionen, müssen sich aber in 20 Jahren „rechnen" -so lange garantieren die Stromversorger die Abnahme des Ökostroms zum höheren Preis. Waren es früher reine „Technik- oder Ökofreaks", die sich auf das unbekannte und sündhaft teure Terrain wagten - eine 3-kW-Anlage kostete 75 000 Mark -, ist die Installation einer PV-Anlage heute eine „wirtschaftliche Zukunftsentscheidung", so Ferdinand Bauer. Man sichere für sein Haus langfristig die eigene Stromversorgung, mache sich also unabhängig vom „großen" Netz. Wie Christa Mayer etwa, die mit einer „kleinen" 5,4 kW-Anlage genügend „Saft" für ihr Einfamilienhaus produziert. Was jetzt auch schon in Rieshofen zu sehen ist, soll in zehn Jahren Standard sein: die Dacheindeckung mit Solarelementen. Die sind von Ziegeln nicht mehr zu unterscheiden - außer dass sie schwarz sind. Und auch Fassadenelemente und Fenster werden künftig Strom aus der Sonne zapfen können, freut sich Bauer auf eine sonnige Zukunft. Mit übrigens nur einem Prozent ihrer Stromrechnung tragen die Verbraucher die Förderung des Ökostroms mit, tritt Bauer möglichen Befürchtungen entgegen. Was die Ambitionen in der Solarbundesliga angeht, sind ein paar Plätzchen nach oben sicher drin: In Rieshofen gebe es schließlich noch genug Dächer.
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