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EK vom 08.03.2003

Wegen Majestätsbeleidigung in den Bau
Geschichte der Pfalzpainter Gendarmerie / „Dienstbereich ist ziemlich ruhig"

Pfalzpaint (je) In einem der schönsten Dienstgebäude im Landkreis Eichstätt „residierten" einst die Gendarmen von Pfalzpaint. Das Haus Nummer 48 mit dem ockerfarbenen Anstrich und den Fensterläden war dabei sowohl Dienstgebäude als auch Wohnhaus der Beamten. Es war im Jahr 1925 von dem Kipfenberger Bauunternehmer Franz Riedl gebaut und ab l. März 1926 an den Freistaat verpachtet worden. Den Dokumenten im Staatsarchiv ist zu entnehmen, dass zu diesem Zeitpunkt die Gendarmeriestation von Walting nach Pfalzpaint verlegt worden war. Wie die übrigen Polizeiposten im Landkreis auch wurde Pfalzpaint im Zuge der Errichtung der Landpolizei-Großraumstation Eichstätt aufgelöst. Das war am 14. Februar 1959. Laut Chronik der Landpolizeistation Pfalzpaint, die von der Polizeiinspektion Eichstätt aufbewahrt wird, gehörten zum Dienstbezirk neben Pfalzpaint die Gemeinde Gungolding, die Einöden (so der damalige Sprachgebrauch) Ziegelhof und Forstermühle, die Gemeinden und Orte Rieshofen, Isenbrunn, Walting, die Einöde Affental, die Gemeinden Rapperszell und Inching und die Weiler Brunnmühle und Almosmühle. Am l. April 1951 wurde eine Gebietsreform vorgenommen und Sornhüll mit Götzelshard vom Kreis Hilpoltstein nach Eichstätt umgegliedert. Die zwei Ortschaften wurden polizeimäßig Pfalzpaint zugeordnet. Die beiden Polizisten hatten damit knapp 1200 Einwohner zu betreuen. Sie waren meist zu Fuß unterwegs, hatten aber auch ein Fahrrad und zum Schluss eine DKW-Maschine mit 200 Kubikzentimetern. Der Chronist bemerkte extra: „Der Dienstbereich ist ziemlich ruhig." 99,7 Prozent der Bewohner seien katholisch, die meisten Männer seien Arbeiter im Staatswald, in den Steinbrüchen und der Steinschleiferei. Nach dem Zweiten Weltkrieg seien viele Evakuierte und Flüchtlinge gekommen, „die aber bald in Industriegebiete umzogen, wo sie bessere Arbeitsbedingungen fanden". Im Pfalzpainter Heimatbuch bemerkt Bert Braun, dass es für die beiden Beamten in den 20er und Anfang der 30er Jahre, bei den Notstandsarbeiten der Altmühlregulierung, viel zu tun gab: „Einsätze bei schweren Raufereien in der Kantine waren an der Tagesordnung." Er erwähnte dabei auch den Gendarmeriewachtmeister Bergmüller, „der mit seinem Gummiknüppel die Auseinandersetzungen grundsätzlich für sich entschied".

Gendarmerie Walting
Bis 1926 befand sich die Gendarmeriestation in Walting. Sie war im Haus von Altbürgermeister Matthias Schroll in der Leonhardistraße untergebracht. Dieses Anwesen gehörte bis 1926 der Familie Stark von der Kunstmühle Walting. Deren Dokumente sind beim Mühlenbrand 1942 vernichtet worden. So ist die erste Nachricht über die Waltinger Polizei einem Jagdvergehen vom November 1891 zu verdanken, über das die Eichstätter Volkszeitung berichtete. Damals hatte der Jagdpächter von Pfalzpaint eine Treibjagd gehalten. Er transportierte die Beute nach Walting und wurde vom Kommandanten der Gendarmeriestation Walting und vom königlichen Forstwart in Gungolding angehalten und kontrolliert. Der Weidmann feuerte die Pferde an und wollte abhauen, doch der Förster packte die Zügel und hielt die „Chaise" an. Die beiden Kontrolleure fanden eine Rehgeiß und ein Kitz, die zu dieser Zeit grundsätzlich nicht erlegt werden durften. Zu einem weiteren „Kriminalfall" war es im Frühjahr 1887 gekommen. Der Austrägler Stefan B. aus Gungolding hatte sich eines Vergehens der Majestätsbeleidigung schuldig gemacht. Er wurde von der Strafkammer des Königlichen Landgerichts Eichstätt zu zwei Monaten Gefängnis und Tragung der Kosten des Verfahrens verurteilt. „Kini" war damals Prinzregent Luitpold. Er wird wohl von den Schimpfnamen des Gungoldingers nichts erfahren haben. Vor 100 Jahren war sogar das Sammeln der Preiselbeeren durch „Oberpolizeiliche Vorschriften" geregelt. Wer die richtige Reife nicht abwartete, vorher Beeren pflückte und verkaufte und dabei von Gendarmen erwischt wurde, musste 45 Mark bezahlen oder acht Tage in den Knast. Im November 1917 waren die Waltinger Gendarmerie und die Eichstätter Strafkammer mit einer Diebstahlssache aus Pfünz befasst. Der ledige Schneider Albert A. aus Nürnberg hatte im Gasthaus Reiser Schuhe im Wert von 15 Mark gestohlen, in der Almosmühle nahm er Schuhe mit, die 28 Mark wert waren, und dazu ein Stück Geselchtes. Die Schuhe wurden den Eigentümern ausgehändigt, das Fleisch hatte der Dieb verputzt. Die Strafe war drakonisch: Sechs Monate musste er hinter Gitter.

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