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Jurahaus-Verein will Trachtlern die Lederhose ausziehen
Landratsamt soll für Abbruch des Gungoldinger Turmhauses „angemessene Geldbuße" verhängen / Wird wieder Abrissbirne Verliehen?
Eichstätt (EK) Mit aller Schärfe hat der Jurahaus-Verein auf den Abbruch des so genannten Turmhauses in Gungolding durch den dortigen Trachtenverein reagiert (wir berichteten). Der Verein fordert das Landratsamt auf, Härte zu zeigen und eine angemessene Geldbuße wegen eines „eklatanten Verstoßes" gegen das Denkmalschutzgesetzes zu verhängen. Die Höhe der Strafe müsse so bemessen sein, dass sie „abschreckende Wirkung" hat und sicher verhindert, dass dieses Vorgehen von Gungolding Schule macht. Außerdem werde der Verein die .Regierung von Oberbayern als zuständige Rechts- und Fachauf-
sichtsbehörde über dieses „skandalösen Abbruch" informieren, hieß es in einer Erklärung. Weiter sollen das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz in Bonn, das bayerische Kultusministerium, der Landesdenkmalrat, Generalkonservator Dr. Egon Johannes Greipl und Bezirksheimatpfleger Stefan Hirsch von diesem „ungeheuerlichen Vorgang" unterrichtet werden. Auch an den Dachverband der bayerischen Trachtler wird sich der Jurahaus-Verein wenden mit der Bitte, den Gungoldinger Trachtenverein wegen „gesetzwidrigen und gemeinschädlichen Verhaltens" auszuschließen. Denn durch dessen
Vorgehensweise würden schließlich auch diejenigen Trachtler, „die sich redlich um Brauchtum und Heimatpflege bemühen, in Misskredit gebracht". Wie mehrfach berichtet, hatte der Gungoldinger Trachtenverein das denkmalgeschützte Turmhaus aus dem 18. Jahrhundert entgegen den Vorgaben des Landratsamtes bis auf die Grundmauern niedergerissen. Das Gebäude sei nicht mehr zu retten gewesen, rechtfertigte sich der Vereinsvorsitzende. Da ist der Jurahaus-Verein freilich ganz anderer Meinung und wegen der „besonderen Rigorosität" dieses Vorgehens überlegt er sich gar, die Abrissbirne wieder zu verleihen. Vorsitzender Peter Leuschner: „Wir haben bewusst in der letzten Zeit diese durchaus umstrittene Auszeichnung nicht mehr vergeben. Aber diese Art von Vandalismus, wie sie die bewusste Zerstörung eines einzigartigen Baudenkmals in Gungolding darstellt, muss deutlich angeprangert werden." Den Jurahaus-Verein verwundere es sehr, so Leuschner weiter, dass keiner der Gungoldinger Trachtler auf die Idee gekommen sei, sich Rat suchend an den Verein zu wenden. Die Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats, die Hausforscher Walter und Wolfgang Kirchner, hätten jederzeit und sogar kostenlos die alte Schmiede mit Laube untersucht und Ratschläge erteilt. Grundsätzlich, kritisierte der stellvertretende Vereinsvorsitzende Dr. Ludwig Bauer scharf, sei „die Naivität dieser Leute bemerkenswert, die vorher alles abwirtschaften, ausbeuten und nichts reparieren - und dann klagen, dass eine Sanierung zu teuer oder nicht mehr möglich ist". Bei solchen Fällen spielten sich immer die gleichen Rituale ab: Zunächst herrsche Desinteresse, dann ließe man das Objekt verkommen mit der Argumentation, es sei nicht zu sanieren, und schließlich würden auch noch Fachberater wie vom Landesamt für Denkmalpflege „diskriminiert" frei nach dem Motto „Mir san mir". Das Verhalten des Trachtenvereins sei zudem tourismusschädigend, da wieder etwas „Unverwechselbares und Typisches aus unserer Landschaft verschwunden ist". Mit einer sachgerechten Instandsetzung (Juradach, Wandbemalungen, Fachwerk Laubenkonstruktion) wäre das Turmhaus ein richtiges Kleinod geworden, bedauerte Bauer.
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